Tsutomu Shimomura – Data Zone

Als ich letztlich auf dem Sofa lag, fiel mein Blick auf das Regalbrett mit dem Hacker-Stories (halt Clifford Stolls Kuckucksei & Co). Warum nicht mal wieder diese Bücher lesen? Also griff ich zu Tsutomu Shimomuras Data Zone

In diesem Buch beschreibt Shimomura seine Jagd auf den kriminellen Hacker Kevin Mitnick im Winter 1994/95 nachdem dieser Weihnachten 1994 in Shimomuras Rechner eingebrochen und Daten entwendet hatte. Shimomura spürte Mitnick schließlich auf und erreichte damit eine gewissen Berühmtheit.

Das Buch hatte bereits nach dem ersten Lesen vor gut 10 Jahren einen faden Nachgeschmack bei mir hinterlassen. Der Samurai der Cyberspace ist für meinen Geschmack zu selbstgefällig.

Die ersten 173 Seiten sind mehr oder minder die Memoiren des damals 30 Jährigen. Es gibt wenig über den Einbruch oder die Ermittlungen, sondern viele Einblicke in die Jugend des Autors, der sich immer in sehr positivem Licht darstellt. Er ist überhaupt ein toller Kerl; meint er. Wir dürfen auch dabei sein, wie er seinem Frend John Gilmore die Freundin ausspannt. Nicht unbedingt das, was der Klappentext versprochen hat.

Ab der Seite 177 wird es dann interessanter. Es wird beschrieben, wie Shimomura und seine Helfer sich langsam ein Bild über die Vorgehensweise machen und sich dann “stromaufwärts” durch Internet arbeiten, bis sie schließlich Mitnick in einem Appartmentkomplex in Raleigh, North Carolina aufspüren konnten.

Ein Buch über eine interessante Jagd, das (mich) aufgrund des Schreibstils nicht richtig begeistern kann. Auch wenn Shimomura bei seinem Buchprojekt die Unterstützung des Publizisten John Markoff als Co-Autor hatte, ist fehlt dem Buch doch die notwendige Professionalität und der nötige Abstand.

Was auch stört, ist die schlechte deutsche Übersetzung. Ein Netzwerkbackbone ist numal ein Backbone und kein Rückgrad. Und wenn man aus IP-Spoofing einen IP-Schwindel macht, dann mag das vielleicht eine wörtliche Übersetzung sein, aber es ist schlichtweg sinnentstellend. (Mich würde interessieren, ob dieas in neueren Auflagen bereinigt wurde…)

Beim zweiten Lesen hat mir das Buch noch weniger gefallen als beim ersten Mal, aber ich bedauere es nicht, weil ich mit gut 10 Jahren mehr Erfahrung in Sachen Networking mehr von den technischen Hintergründen verstanden habe (damals hatte ich null Ahnung von TCP/IP, Ethernet & Co).

2 Gedanken zu „Tsutomu Shimomura – Data Zone

  1. Sven Wallmann

    Mein Übersetzer Babylon meldet:

    spoof [spuːf]
    v. beschwindeln, reinlegen, betrügen
    n. Schwindel, Betrug, Humbug

    Was ist sinnentstellend, wenn ich von “Internet Protokoll Schwindel” spreche?

    Antworten
  2. Thomas Schewe

    Das Problem ist, dass IP-Spoofing eine feststehende Bezeichnung ist, die sich si auch in der (Fach)Literatur findet (siehe auch Link auf Wikipedia im Posting).

    Wenn sich nun der Leser über diese Technik weiter informieren möchte, dann wird er IMHO unter IP-Schwindel nicht zum Erfolg kommen.

    Es ist halt -im meinen Augen- immer ein Problem, wenn man fremdsprachige Fachtermini übersetzt.

    Antworten

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