Sachfragen zweitrangig

Bei einem Interview mit radioeins anlässlich der zweiten Runde der Sondierungsgespräche zwischen CDU und SPD, wurde der stellvertretende Fraktionschef der Union im Bundestag Wolfgang Bosbach gefragt, was passieren würde, wenn man sich in dieser Runde nicht über die Kanzlerfrage einigen könnte. Für Bosbach war klar, dass es dann keinen Sinn macht, sich über Details in Sachfragen zu unterhalten. Das Bild was er in diesem Zusammenhang benutzte war interessant.

Wenn man gemeinsam ein Haus bauen will, dann fängt man ja nicht mit Dach und Fenstern an, sondern mit dem Fundament.
(Wolfgang Bosbach am 28.09.2005 in radioeins)

Da könnte man ja naiv gedacht haben, dass das Fundament für eine solide Koalition die Übereinstimmung in Sachfragen sei. Beide Seiten betonen, wass die künftige Regierung eine stablie Mehrheit haben muss, um die Probleme lösen zu können, die in Deutschland anstehen. Das geht nur wenn man über die Lösungswege einig ist.

Wenn man sich erst einmal in den Sachfragen geeinigt hat, dann wird aus meiner Sicht für beide Seiten der Zwang wachsen, sich in der Kanzlerfrage zu einigen. Es wäre schwer zu vermitteln, weshalb bei einer inhaltlichen Einigkeit die Koalition an einer Personalia scheitern sollte.

Aber die Äußerung Bosbachs lässt einen daran zweifeln, dass es -zumindest ihm- um die Lösung der Probleme geht. Vielmehr beschleicht einen die Vermutung, dass es (ihm) nur darum geht, eine stabile Mehrheit für seine Kanzlerin zu finden, wobei Sachfragen zweitrangig sind. Nicht dass das überraschen würde, aber ärgern tut es einen doch (noch).

Es hat mich fast noch mehr geärgert, dass die Moderatoren Stefan Rupp und Christoph Azone an dieser Stelle nicht nachgefasst haben.

(Das Interview ist bei radioeins als Real-Audio-Stream verfügbar.)

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