Fantasy Filmfest 2005 – Part II

Das 19. Fantasy Filmfestes (FFF) in Berlin ist nun schon ein paar Tage vorbei. Nach der Zwischenbilanz, die ich nach meiner persönlichen Halbzeit gezogen gezogen hatte, fehlt jetzt noch der Bericht über die letzten vier Tage und sieben Filme.

Sonntag (20.08.)

The Big White

The Big White war ein eher harmloser Spaß, der als Opening für meine zweite Halbzeit sehr gut geeignet war. Der Vergleich mit Fargo liegt zwar wegen, der ewigen Kälte, dem Schnee, der Entführungsgeschichte und den leicht minderbemittelten Gangstern nahe liegen, passt IMHO aber nicht. Fargo ist härter und brutaler und The Big White fehlt eine toughe Figur wie Marge Gunderson. Das tut dem Vergnügen kein Abbruch, im Gegenteil The Big White dürfte für den Durchschnittsseher verträglicher sein. Von der schauspielerischen Seite ist der Film klasse. Was will man bei Robin Williams auch anderes erwarten, wobei er von Holly Hunter, die seine am Tourette-Syndrom leidende Ehefrau spielt, weit übertroffen wird.

Ein echte Vergnügen, das man sich nicht entgehen lassen sollte, sobald im Kino läuft.

Casshern

Da war dann Casshern aus ganz anderem Holz geschnitts. Ein japanischer Film, der einen mit gewaltigen und gewalttäigen Bildern (fast) überfordert. Der Film ist in der gleichen Technik entstanden, wie Sky Captain And The World of Tommorow oder Immortal: Reale Schauspieler agieren in einer fast vollständig computergenerierten Welt, deren Retrolook auch an diese beiden Filme erinnert. Die Geschichte spielt in einem künftigen faschistioden Japan, dass deutliche Züge des dritten Reiches trägt. Die Thematik kreist um Krieg, Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung, Genozid und Experimenten mit (künstlichen) Menschen(teilen). Die Bilder sind perfekt und reißen ein mit, teilweise auch davon. Manchmal sind sie (fast) unerträglich, z.B. die Greuel des Krieges gezeigt werden.

Ein beeindruckender Film mit beeindruckenden Bildern, der die Messlatte für gute Animationsfilme ein Stück höher gehoben hat.

Montag (22.08.)

Vares: Private Eye

Ein vergnügliches Kinoerlebnis, das ich empfehlen kann, auch wenn es ohne die finnische Tonspur etwas weniger Spaß machen dürfte.

Appleseed

Nach Casshern der dritte Animationsfilm in meinem Programm. Nach der wirklich beeindruckenden Machart von Casshern war Appleseed sowohl von der Form (ganz “normaler” Anime mit hübsch anzusehenden weiblichen Figuren) als vom Inhalt her eher Hausmannskost. Die Figuren wirkten teilweise zu künstlich, weil sie im Verhältnis zu Hintergründen teilweise zu perfekt waren.

Nachdem ich (einen Teil) der gleichnamigen Mangas gelesen hatte, war ich schon gespannt und wurde nicht wirklich enttäuscht. Rasante Kampfszenen mit und ohne mechanischer Unterstützung. Bei weitem nicht so blutig wir Casshern.

Dienstag (23.08.)

Anthony Zimmer

Wieder ein französischer Film und wieder stellte sich mir die Frage, was dieser Film ausgerechnet auf einem Fantasy Filmfest zu suchen hat (ahh, da war doch was Thriller im Untertitel des Filmfestes…). Auch wenn er für mich nicht so richtig hierher passte, so war es doch ein sehr schöner Film. Sophie Marceau war mir nur als Vic Beretton aus einer der Fernsehausstrahlungen von La Boum erinnerlich. Welch Überraschung als ich sie hier sah: Eine wirklich schöme Frau, da könnte man schwach werden… Die Story ist spannend und erinnert im entfernten an Die üblichen Verdächtigen: Der große Drahtzieher hinter diversen genialen Gaunerstücken wird gesucht und niemand, wirklich niemand kennt sein Aussehen nach seinem letzten Besuch beim Schönheitschirugen. Mehrmals dachte ich die Lösung gefunden zu haben, bis micht das Ende wirklich überraschte. Vom Gewaltpotential her liegt der Film deutlich unter dem Durchschnitt des Filmfestes.

Ein nicht nur wegen Sophie Marceau wirklich sehenswerter Film.

Mittwoch (24.08.)

Ghost In The Shell 2: Innocence

Nachdem ich vor gut zehn Jahren auf dem damaligen Fantasy Filmfest den ersten Teil gesehen hatte, war ist sehr gespannt. Von der Machart liegt es zwischen Appleseed und Casshern. Er erreicht bei weitem nicht die Wucht von Casshern, ist von den Bildern und der Story Appleseed doch deutlich überlegen. Den Kampf zwischen Bildeflut und Untertiteln haben letztere verloren, auch wenn sie ausnahmsweise mal auf Deutsch waren.

Noch einmal sehen und mehr verstehen.

Dear Wendy (Closing Night Gala)

Nach all den aufwändigen Filmen war Dear Wendy eine Überraschung. Sehr übersichtliches Set, wenige Schauplätze, eher ruhige Szenen und kaum Trickaufnahmen. Ein angenehmes Kontrastprogramm, dem man sich nicht entziehen konnte. Bitterböse, political incorrect und voll schwarzem Hunor macht dieser Film wirklich Spaß. Es gab viel Gelächter und teilweise Szenenapplaus bei der Vorstellung. Mehrere Lo[n|s]er gewinnen durch ihre Waffen Selbstvertrauen und lernen im Real life zu bestehen. Als die wahren Pazifisten schwören sie ihre Waffen niemals in der Öffentlichkeit zu zeigen oder gar zu ziehen. Nur im alten, zu ihrem Tempel ernannten Bergwerk treffen sich die Dandies um ihre Waffen zu bewundern und zu gebrauchen. Alles kann so schön sein. Dann lädt ihr Anführer Dick den wegen eine tötlichen Schusswechsels unter Bewährung stehenden Sebastian ein, an ihrer Passion Teil zu haben. Man weiß, dass nun Alles kippen wird, aber wie und warum es dann zum tödlichen Ende kommt, überrascht dann doch. Nach all’ den Material und Menschen verschlingenden Shoot outs in anderen Filmen des Filmfestes (beispielhaft sei hier A Bittersweet Life genannt) ist das Ende auf dem Marktplatz gerade zu rührend. Jeder unserer Helden hat die Chance mit einer wohlüberlegten Salve bestenfalls einen Ordnungshüter mit ins Jensseits zu nehmen.

Die Veranstalter und der Regisseur Thomas Vinterberg drückten in einer kurzen Rede vor der Vorführung ihr Unverständnis aus, dass der Film in Deutschland keine Jugendfreigabe bekommen hat. Auch wenn ich dieser Entscheidung der FSK nicht zustimmen kann, kann ich diese doch nachzuvollziehen. IMHO dürfte es weniger um die Gewaltdarstellung gehen, die nicht über dem Niveau im Abendprogramm des Fernsehens liegt (Röntgenbilder von eintretenden Projektilen und deren Wirkung gehören seit C.S.I. zum Fernsehalltag), als um den Gedanken, dass (Schuss)Waffen den Schwachen (Psychologisch) stark machen. Das scheint man für gefährlich zu halten.

Unbedingt sehen, wenn der Film in die Kinos kommt.

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