Berkel, Nerkel, Merkel

Frau Merkel hat brutto und netto verwechselt (es gibt auch Menschen, die meinen, die Republik sei zu blöd Frau Merkel zu verstehen…) und die Republik tobt.

[…]der interessante Effekt, den wir jetzt haben ist ja, dass für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – und für die gilt ja die Riester-Rente – die Bruttolöhne um ein Prozent sinken, wenn wir die Lohnzusatzkosten senken. Und das gibt auch wieder Spielraum um zum Beispiel für die eigene Altersvorsorge etwas zu tun und das ist ja genau das, was wir wollen.
(Angela Merkel)

Dass Frau Merkel brutto und netto verwechselt hat, finde ich (gar) nicht so (wirklich) schlimm. Ich weiß schließlich auch nicht aus dem Bauch heraus, was bei der Metro der Brutto- oder der Netto-Preis ist. Warum sollte es Politikern denn nicht auch so gehen. Nur wenn aus der Brutto-Netto-Schwäche ein „Brutto gleich Netto“ wird (sprich Steuerhinterzeiehung), dann hört der Spaß auf.

Mit etwas Häme wird unsere gewollte Bald-Kanzlerin wohl leben müssen, zumal sich unser aller Alt-Kanzler und Merkel-Förderer wohl zu einem „Man braucht als Bundeskanzler nicht alles wissen, aber völlig doof darf man nicht sein“ hat hinreißen lassen (meint zumindest ftd.de)

Was mich ärgert ist der Umgang des CDU mit dem Versprecher. In einem Interview mit der ARD war der Patzer aufgetreten. Bei tagesschau.de gibt es den (Original-)Wortlaut zur Einsicht. Die CDU hat den Wortlaut in ihr Webangebot übernommen. Als der Fehler der Chefin auffiel, wurde einfach der Interviewtext geändert (vgl. tagesschau.de, Spiegel Online oder ftd.de). Das ist einfach nur rotzfrech. Dass man bei der dreisten Fälschung zwischenzeitlich noch einen Fehler eingebaut hat, ist nur eine Petitesse am Rande. (Leider ist es mir nicht gelungen das Corpus delicti auf der CDU-Website zu finden.)

Richtig peinlich wird es, wenn CDU-Anhänger versuchen, den Versprecher solange zu interpretieren, bis es keiner mehr ist. So interpretiert Statler in einem Beitrag im Blog Statler & Waldorf:

[…]Die Geschichte mit dem konstanten Bruttolohn stimmt nämlich nur für den Bruttolohn, der auf der Gehaltsabrechnung des Arbeitnehmers auftaucht. Aus ökonomischer Sicht hingegen entspricht der Bruttolohn den gesamten Lohnkosten, die dem Unternehmer entstehen, wenn er einen Arbeitnehmer beschäftigt.

Sorry, aber da passt was nicht. Frau Merkel spricht über die Bereitschaft bzw. wirtschaftliche Fähigkeit der Arbeitnehmer Beiträge für Riesterverträge zu zahlen. Da geht es um das verfügbare Einkommen der Arbeitnehmer und nicht um die Sichtweise der Arbeitgeber. Daraus kann alternativ folgen:

  • Frau Merkel weiß gar nicht, was sie von sich gibt.
  • Bei der Statlerschen Interpretation ist der Wunsch der Vater des Gedanken.
  • Auch wenn ich Frau Merkel nicht besonders schätze, tendiere ich zu Letzterem…

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

    Kommentare abonnieren

    Es erfolgt keine Weitergabe von Daten an externe Dienste wie WordPress.com.

    eMail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
    Auch möglich: Abo ohne Kommentar.