Poems for Laila – oder doch nicht

Wir waren gestern abend beim Konzert von Poems for Laila Nokolai & Joana im Frannz Club.

Poems for Laila damals…

Poems for Laila ist ein fester Bestandteil meines Soundtracks der 1990er-Jahre. Wunderbare Musik, die wir gerne gehört haben, zu der wir gerne mitgesungen haben und die geholfen hat, vielen Autofahrten zu verkürzen. Ich wüste keine Musik dieser Zeit, die die Erinnerungen so dominiert.

Während die Erinnerungen an das Konzert im Huxley’s 1996(?) verblassen, hat sich ein Bild unauslöschbar in meinem Gedächtnis eingebrannt: Wie ich mal mit Jan im frostigen Winter in seinem Karmann-Ghia mitgefahren bin und wir verzweifelt versucht haben die Scheiben am Beschlagen zu hindern, was schwierig war, weil Jan aus voller Lunge mit seiner wohlklingenden Stimme bei den Poems-Songs mitsang und für mehr Feuchtigkeit in der Luft sorgte.

Auch heute gehören Poems For Laila – insbesondere die Alben Another Poem for the 20th Century und I Shot the Moon – in unsere1 musikalische Welt.

Als mich im letzten November die Information erreichte, dass Poems wieder auf Tour gehen, war deshalb die Freude groß und die Karten schnell bestellt.

…und heute

Die erste Überraschung war, dass Poems for Laila nur noch zu zweit sind. Neben Nikolai Tomás (Gesang, Gitarre) saß Joana Gemma Auguri (Akkordeon, Gesang) auf der Bühne. Die zweite Überraschung und herbe Enttäuschung kam, als Nikolai nach dem zweite Lied ansagte, dass sie – wie schon seit zwei Jahren – keine alten Lieder mehr spielen2. Wir hatten die feste Erwartung die alten Songs zu hören. Klar, man erwartet nicht nur die alten Songs, sondern weiß auch, dass Einen neue, noch unbekannte Stücke erwarten. Aber so ganz ohne war eine sehr große Enttäuschung.

30 Jahre sind eine eine verdammt lange Zeit; auch – und vielleicht auch gerade – im Musikgeschäft. Ein Künstler muß sich entwickeln, verändern3; auch um im Markt zu bestehen. Die neuen Ideen passen vielleicht nicht mehr zum bisherigen Werk. Oder die früheren Erfolge sind so erschlagend, vielleicht mittlerweile unerreichbar, dass sie das Neue erdrücken..

Daher habe ich Verständnis dafür, wenn ein Künstler neu starten möchte, das Alte hinter sich lassen will. Aber wenn er den Schritt gehen will, dann richtig. Dann sollte er aus meiner Sicht auch das Band endgültig durchschneiden und mit einem neuen Namen4 auftreten. Das macht macht klar, dass es ein Neuanfang ist, dass es hier nichts Altes mehr gibt.

Poems for Laila ohne die alten Poems-Songs ist für mich wie ein nutella-Glas mit Nudossi drin: eine herbe Enttäuschung, vielleicht auch mit einen Anflug eines Gefühls von Betrogen-Sein.

Wäre das Konzert als Konzert von Nikolai Tomás oder Nikolai & Joana angekündigt worden, dann hätten sie nicht gegen meine falschen Erwartungen anspielen müssen. Dann hätten sie vielleicht auch eher eine Chance gehabt, mir zu gefallen5.

Dann wäre ich vielleicht auch gar nicht erst hingegangen6.

#JustMy5Cents

  1. Auch wenn das Unser ein anderes ist als damals.
  2. Zu beiden Punkten kann man entgegenhalten, dass man sich vor einem Konzert informieren kann, was die Band aktuell macht; oder auch nicht. Das ist aber nicht mein Ding. Ich bin kein Fan in dem Sinne, dass ich der Entwicklung von Bands folge. Ich höre ihre Musik. Und wenn sie mir gefällt und es ein Konzert gibt, gehe ich hin.
  3. Deshalb bin ich auch eher zurückhaltend, was die aktuelle Neuigkeit angeht, dass ABBA zwei neue Lieder veröffentlichen will
  4. Das ist natürlich schwierig, wenn nicht unmöglich, wenn der Künstler unter seinem eigenen Namen auftritt. Wenn es jedoch – wie hier – ein „künstlicher“ Bandname ist, sollte es möglich sein.
  5. Denn Nikolais Stimme ist noch immer unglaublich schön. Und Joana kann da mithalten. Und seine Interaktion mit dem Publikum sowie zwischen ihm und ihr ist klasse.
    Die Songs, na so lala.
  6. Aber vielleicht ist das ja auch der Punkt.

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