Wenig Spaß mit dem Hotel-WLAN

Ich habe die letzte Nacht in einem netten kleinen Hotel in Franken verbracht. Nicht das Haus, in dem ich üblicherweise wohne, aber die Buchungslage zwang mich, etwas Neues auszuprobieren.

Beim Check-In wurde ich gefragt, ob ich WLAN haben möchte; kostenlos. Ich bejahte und bekam auf einem Blatt Papier Usernamen (die Zimmernummer) und ein gutes, zufällige Passwort ausgedruckt. Ich hatte so eine Ahnung1 und fragte, ob ich damit mehrere Geräte an den Start bekommen würde. Man bejahte dies.   

Später auf dem Zimmer meldete ich das erste Gerät an und kam ins Netz. Ich meldete das zweite Gerät an und kam kommentarlos ins Netz. Verwunderung. Der Check am ersten Gerät ergab, dass es stillschweigend aus dem WLAN geworfen worden war. Ich habe es noch ein paar mal ausprobiert und es wurde das bereits angemeldete Gerät aus dem WLAN geworfen. Teilweise haben das die Geräte nicht mitbekommen; teilweise wurde die Registrierungsseite für die erneute Anmeldung geöffnet.

Auf die Problematik angesprochen, kannte die Hotelbesitzerin das Problem. Es habe sich jedoch vorher noch nie jemand beschwert2.

Früher habe sie en freies WLAN ohne jedwede Zugriffsbeschränkung betrieben. Dann kam es, wie es kommen müsste: Sie bekam eine Abmahnung, auf deren Kosten sie sitzen blieb. Daher hat sie das Thema WLAN outgesourced. Über die Zimmernummer kann der Betreiber bei Abmahnungen immer den Verursacher ermitteln. Eine zusätzliche Kennung könne sie nicht herausgeben, weil sie pro Kennung bezahlen müsste und ihr das bei einem kostenlosen Angebot zu viel wird.

Auch wenn der Grund für mein Problem nicht bei der Hotelbetreiberin, sondern ihrem Dienstleister liegt, stellt sich für mich die Frage, weshalb man nur jeweils ein Gerät betreiben kann. Rein technisch sollte es sich möglich sein, dass man mit einer Kennung mehrere Geräte am Netz authentifiziert. Netzwerktechnisch hat der DHCP-Server (erwartungsgemäß) den beiden Geräten jeweils eine eigene IP-Nummer zugeordnet, sodass sie beide gleichzeitig im Netz verbleiben könnten. Letztlich wird diese Beschränkung darauf zurückzuführen sein, dass es bei vom (End)Kunden zeitbasiert bezahlten WLAN-Zugängen nicht gewollt ist, dass der Kunde mit mehreren Geräten an den Start geht.

Das WLAN war für die Nutzung von Always-On-Geräten wie Smartphones oder Tablets nur bedingt zu gebrauchen. Nach einer bestimmten Zeit der Inaktivität wurde das Gerät aus den Netz geworfen, sodass eine Neuanmeldung notwendig war. Die hat nicht funktioniert. Vielleicht weil bei jeder (Wieder)Anmeldung jeweils ein Häkchen für das Akzeptieren der AGBs zu setzen ist. Auf jeden Fall liefen Vorgänge im Hintergrund, wie das regelmäßige Abrufen von Mails, Push-Notifications oder das Backup in die iCloud, nicht.

Bei einer kostenlosen Dreingabe des Hotels kann man sich damit arrangieren. Hätte ich dafür bezahlt, wäre ich stinksauer gewesen.


  1. Ich hatte das Posting von Dr. Drang zu Hotel-WLANs gelesen.
  2. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich der erste Gast bin, der mit einem iPhone und einem iPad dort wohnt, denn diese Kombination ist nicht mehr so ungewöhnlich. Die fehlenden Beschwerden führe ich darauf zurück, dass es Vielen einfach nicht wichtig genug ist. Und ausdrücklich beschwert habe ich mich auch nicht. Ich wollte die Betreiberin nur auf diese – für mich ärgerliche – Beschränkung hinweisen.

4 Gedanken zu „Wenig Spaß mit dem Hotel-WLAN

  1. Johannes

    Das sollte ja in Deutschland nicht so das Problem sein, ein Iphone hat ja sowieso Datentarif und dergleichen, auch wenn es mit WLAN komfortabler wäre. Im Ausland habe ich jetzt gute Erfahrungen gemacht, in Griechenland hatte fast jedes Hotel und auch einige Cafes kostenloses WLAN und es hat super funktioniert, da gibt es wohl auch keine Abmahnungen bei irgendwelchen Urheberrechtsverstößen etc.
    Johannes

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    1. Thomas Schewe

      Der Wunsch nach einem WLAN-Zugriff im Hotel ist nicht nur eine Frage von „konfortabel“, sondern hat auch handfeste Gründe:

      1. Ich habe schon oft genug in Hotelzimmern keinen zufriedenstellenden Mobilfunkempfang gehabt. Teilweise, weil vor Ort die Netzabdeckung sowieso schlecht war, oder weil aufgrund der baulichen Gegebenheiten der Empfnag zu stark abgeschwächt wurde.
      2. Bestimmte Funktionen von iOS (z.B. Backup in die iCloud, Photostream, große App-Store-Downloads) funktionieren nur im WLAN.
      3. Das verfügbaren Datenvolumen ist zu klein, sodass ich einen Teil des Datenverkehrs, der sonst zuhause anfällt, „umlasten“ möchte (ich bin zumeist nicht privat unterwegs).
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  2. Martin

    Bei einer kostenlosen Dreingabe des Hotels kann man sich damit arrangieren. Hätte ich dafür bezahlt, wäre ich stinksauer gewesen.

    Du hast dafür bezahlt … wer denn sonst?

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    1. Thomas Schewe Beitragsautor

      Ja, wenn man es genau nimmt, dann ist es im Zimmerpreis eingepreist. Auch wenn ich sonst zu solchen engen Auslegungen neige – und mir damit das Leben manchmal schwerer als nötig mache -, würde ich es hier anders sehen.

      Es handelt sich hier um kleines Hotel, dass bei einer guten Leistung deutlich unter den ortsüblichen Preisen liegt. Da sehe ich das freie WLAN als eine Art Give Away an.

      Bei „eingepreisten“ IT-Leistungen von Hotels habe ich sowieso keine hohen Erwartungen.

      Als von mir bezahlten Zugang sehe ich eher zugebuchte Leistungen für den üblichen Wegezoll im unteren zweistelligen Bereich pro Tag.

      Ist nicht konsequent, aber so sehe ich es..

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