Fort Bauschild

Irgendwie scheint hier der Bauherr Schutzbedarf für sein Bauschild gesehen haben und hat aus vier Bauzaunsegmenten ein schützendes Fort darum errichten lassen.  

Die Gegend ist nicht wirklich militant. Geschichtlich gehörte dieser Teil Berlins zu Ost-Berlin, aber dennoch dürfte mittlerweile der Anteil von zugezogenen Wessis die 50%-Marke schon übersteigen. Was gebaut wird, ist eher gehobener Standard, und nach den Modernisierungen dürfte der Bestandswohnraum – leider – auch eher finanziell potentere Neumieter finden.

Dennoch kein Umfeld in dem autozündelnde Individuen nachts ihre Grillanzünder ausführen, sondern eher gut bürgerlich (wenn auch eher grün). Und da jenseits des S-Bahn-(Innen)-Rings ist die Wahrscheinlichkeit entsprechendem nächtlichen Ausflugsverkehrs auch eher gering.

Also wovor meint der Bauherr sein Duftmarke schützen zu müssen?

Ich glaube, das Bauprojekt sorgt doch für einen gewissen Unmut.

Es handelt sich um einen schmalen Grünstreifen an einem Flutgraben. Dort wachsen seit Jahr(zehnt)en Bäume und Büsche. Als Anwohner hat man die Brache als (vernachlässigte) Grünanlage wahrgenommen; nicht als Bauland. Umso größer war die Überraschung, als dort ein Bauschild errichtet wurde.

In Niederschönhausen – wie auch in anderen Teilen Berlins – tobt ein deutlicher Bauboom. Bisherige Frei- und Brachflächen werden bebaut, Bestandsbebauung weicht einer massiveren Bebauung.

Im konkreten Fall wurde auf der anderen Straßenseite eine großere Brachfläche bebaut. Dort war schon seit Jahren deutlich, dass dort gebaut werden sollte. Einige Investoren und Bauträger hatten sich schon daran versucht. Dass dann aus den ursprünglich mal geplanten 40-50 Doppelhaushälften mehrere Mehrfamilenhäuser mit 210+ Wohnungen wurden, ist ein unschönes Ergebnis, dass das Gesicht der Ecke deutlich – und viel deutlicher als erwartet – verändert hat.

Nun fällt auf der anderen Seite ein – im Umfang noch nicht abzusehender – Grünstreifen dem Bauboom zum Opfer. Das verdichtet die Ecke noch mehr und erfreut die Anwohner nicht unbedingt. Auch und gerade jene Zugezogenen, die doch etwas mehr Grün wollen. Wir bedauern diese Entwicklung auch (aber auch wir wohnen in einer erst vor acht Jahren errichteten Siedlung).

Die einzige Art des Widerstandes, den ich bisher bemerkt habe, waren ein paar Bilder aus Kinderhand, die unten am Bauschild angetackert waren (wahrscheinlich eher von Erwachsenenhand). Angeblich sollen sich auch schon böse Hände an der Beschichtung der Schildes zu schaffen gemacht haben.

Aber dennoch: Wäre die „Festung“ notwendig gewesen? Schützen wird sie im Zweifelsfall nicht; aber vielleicht potentielle Interessenten für die Eigentumswohnungen etwas verstören.

Update (20.06.2011):

Und prompt wurde ein Zaunsegment ausgehängt und eine Ecke vom Bauschild abgeschlagen.

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