Dropbox vs. Ubuntu One

Wenn man mit mehreren Rechnern arbeitet, dann kommt schnell der Wunsch nach einem problem- und medienlosen Datenaustausch auf. Stehen die Rechner in einem LAN, dann lässt sich das leicht mit Netzwerkfreigaben realisieren, wobei ein Rechner als zentrale Ablage dient und immer laufen muss (oder zumindest, wenn man von einem anderen Rechner auf ihn zugreifen möchte).

Ist einer der Rechner mobil, dann braucht man eine komplexere Lösung. Entweder man richtet selbst einen von Außen erreichbaren Server ein oder man sucht sich einen Dienstleister.

Dienstleiter für „Online-Festplatten“ gibt es genug. Meine Anforderung ist, dass sich der Dienst mehr oder minder seamless ins System integriert und die Integration auch unter Linux verfügbar ist.

Vor längerer Zeit war Jungle Disk mein Kandidat. Leider kostet dort bereits das Basis-Angebot und es werden immer noch zusätzlich volumenabhängige Kosten für das eigentliche Storage bei Amazon S3 oder Rackspace Cloud Files fällig. Das hatte mich damals von einem Test abgehalten.

Momentan gibt es zwei interessante Services, die im Basis-Angebot mit 2GB Storage kostenlos sind: Dropbox und Ubuntu One.  

Account anlegen

Die beiden in ihrer Funktion doch sehr ähnlichen Services gehen beim Anlegen des Accounts sehr unterschiedliche Wege.

Bei Dropbox kann man einen neuen Account einfach während der Installationsphase anlegen.

Ubuntu One geht hier – wie auch später bei der Authentifizierung – einen anderen Weg. Es setzt einen Account bei launchpad, der Webplattform zur Softwareentwicklung von Canonical, auf der auch die Entwicklung von Ubuntu stattfindet, voraus.

Ubuntu One hat derzeit noch beta-Status und erfordert eine Einladung. Dazu kann man sich selbst anmelden. Ich habe meine Einladung innerhalb von zwei Tagen erhalten.

Installation

Ich habe Dropbox und Ubuntu One bisher nur unter Ubuntu 9.04 installiert (wobei es Ubuntu One momentan auch nur für Ubuntu 9.04 gibt).

Dropbox bietet Installationspakete für Windows, Mac OS X und Linux an. Die Linux-Unterstützung umfasst eine Integration in den Dateimanager Nautilus unter Gnome sowie einen Daemon für die eigentliche Syncronisation. Es gibt Binaries für Ubuntu ab 7.10 sowie für Feodora 9 & 10. Weiterhin gibt es ein Source-Paket.

Die Binaries für Ubuntu können als deb-Paket runtergeladen und installiert werden. Weiterhin wird eine Integration in die Paketverwaltung angeboten. Bei diesem Installationsweg ist später das automatische Update bewährleistet. Hierfür muss die Datei mit den Paketquellen manuell angepasst und der GPG-Key runtergeladen und installiert werden. Meine Paketverwaltung hat zunächst über ungültige Signaturen gemeckert, was bei mir bei fremdquellen öfter mal vorkommt. Die Installation selbst war problemlos.

Die Binaries umfassen nur die Gnome-Integration. Beim ersten Start wird ein Binary-Paket mit einem Deamon, der die eigentliche Datensyschronisation übernimmt, nachgeladen. Dieser wird unterhalb des Home-Verzeichnisses des Users installiert, was in meinen Augen nicht optimal ist und zu einem deutlichen Abzug in der B-Note führt.

Beim ersten Start wird auch abgefragt, ob man einen neuen Account anlegen will oder ein bestehender Account genutzt wird.

Die Software unterstützt out-off-the-Box nur Linux-System mit der grafischen Oberfläche Gnome.  Da die eigentliche Syschronisation durch einen Daemon erfolgt, kann man Dropbox mit mehr oder weniger Frickelei auch auf Systemen mit einer anderen grafischen Oberfläche oder auch auf Systemen ohne grafische Oberfläche (z.B. reinen Server-System) genutzt werden.

Hinweise zur Installation im Allgemeinen und den aufgeführten Spezialfällen kann man der Installationseite bei Dropbox oder dem Ubuntuusers-Wiki entnehmen.

Die Installation von Ubuntu One ist ein Kinderspiel und die raffinierteste Nutzerführung, die ich bei der Installation von Linux-Software bisher gesehen habe. Hier wird bewiesen, dass Linux in Sachen Benutzerfreundlichekeit vorbildlich sein kann. Die Installation wird vollständig über eine Web-Seite gesteuert.

Da Ubuntu One von den Machern von Ubuntu stammt, wird natürlich nur der systemkonforme Weg über die Paketverwaltung unterstützt. Die Paekte sind nicht über die Standardquellen erreichbar, sondern liegen in einem PPA auf launchpad. Die entsprechende Ergänzung der Konfiguartion erfolgt über den Download und die Installtion eines deb-Paketes. Bei dessen Installationwerden die Paketquellen ergänzt und der GPG-Key in den Keyring aufgenommen. Perfekt!

Der Download und die Installation der eigentlichen Pakete kann auch über die Web-Seite angestoßen werden. Sämtliche Binaries werden auch systemkonform an vorgesehner Stelle (außerhalb von /home) installiert.

Da bereits vor der Installation ein Account eingerichtet wurde und die launchpad-Kennung genutzt wird, entfällt eine weitere clientseitige Konfiguration. Über die Webseite muss noch der neu eingerichtete Client freigeschaltet werden.

Ob ein Betrieb von Ubuntu One auf Systemen ohne Gnome möglich ist, ist mir mangels entsprechener Informationen nicht bekannt.

So viel zum Vergleich von Dropbox und Ubuntu One. Ich hoffe, dass ich die Zeit (und Lust) finden werden, diesen Artikel zu ergänzen bzw. weitere Artikel zu diesem Thema zu erstellen.

Anmerkung (15.05.2011):

Ursprünglich wollte ich diesen Artikel um weitere Aspekte erweitern bzw. weitere Artikel folgen lassen. Das habe ich ich – offensichtlich – nicht geschafft. Im Hinblick darauf, dass Ubuntu One es bis heute nicht geschafft hat, sich für andere Plattformen adäquat zu öffnen (vgl. meinen heutigen Kommentar), ist es mir auch keine weitere Betrachtung mehr wert.

Leider ist Dropbox wegen einiger vermeintlicher(?) Unzulänglichkeiten momentan auch negativ aufgefallen.

5 Gedanken zu „Dropbox vs. Ubuntu One

  1. Thomas Schewe

    Welche Daten man online speichert, sollte man sich gut überlegen. Da muss man auch individuell entscheiden.

    Die Daten von Dropbox liegen verschlüsselt bei Amazon S3. Den Schlüssel hält Dropbox, was man als Sicherheitsmanko sehen kann.

    Wo und wie Ubuntu One die Daten hält, weiß ich nicht. Aber schließlich gehört Ubuntu ja zu den Guten. 😉

    Man kann die Online-Festplatte aber auch als Datenträger für verschlüsselte Dateien bzw. Container nutzen. Zumindest für den Teil, den man für kritisch hält, aber dennoch in der Wolke haben möchte.

    Persönlich habe ich bereits unter Linux mit encfs experimentiert, was mir sehr gut gefällt, weil es auf Dateibasis trensparent verschlüsselt. Läuft aber leider nur unter Linux.

    Die Betreiber von Dropbox empfehlen wohl Truecrypt. Truecrypt benutzt verschlüsselte Container-Dateien, die wie Laufwerke genutzt werden können. Diese Lösung hat den vorteil, dass sie multiplatfomfähig ist (Windows, Mac OS X, Linux). Mir persönlich erscheint diese Lösung etwas kippling, weil wenn ein Bit der Containers kippt (z.B. wegen eines abgebrochenen Syncs), dann ist wohl der gesamte Container mit dem gesammten Inhalt hin.

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  2. Mathias

    Ich habe auch beide getestet und bin zu DropBox gegangen, weil es einfach schneller ist. Beim UbuntuOne client stört mich oft, das ich nicht sehe, was er macht: „synced der nun?, oder nicht?“ Ebenso finde ich die Anzeige der Datenrate sehr hilfreich.
    Da es für Mac auch noch keinen UbuntuOne Client gibt => DropBox.

    Antworten
    1. Thomas Schewe

      Wenn ich sehe, dass es für UbuntuOne nach gut zwei Jahren nur die Beta eines Windows-Clients, der dann auch nur einen Teil der Funktionen zu haben scheint (z.B. keinen automatischen Sync bei Änderung von Dateien) und scheinbar nix für OS X gibt, dann finde ich das traurig.

      Gerade bei Canonical, einem Unternehmen, das von offener Software lebt, hätte ich mehr Offenheit gegenüber von anderen Plattformen erwartet. Das kann vielleicht ein kleines OSS-Projekt nicht leisten, aber bei Canonical sollte es die notwendigen Ressourcen dafür geben.

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  3. Michael Maier

    Nachdem ich nun beide (Ubuntu One und Dropbox) getestet habe, bin ich klar zu Dropbox gegangen, da die zur Verfügung stehenden Optionen auf den Clients UbuntuOne weit übersteigen.
    So kann ich beispielsweise auf meinem Android Handy (Samsumg Galaxy Note) mit dem Tool „Dropsync“ (im Android-Market, oder neu, Google Play erhältlich) sehr genau festlegen, wann und was und bei welchem Akkustand synchronisiert werden soll.

    Was mir besonders gefällt, ist, dass nur neue und geänderte Dateien synchronisiert werden, und somit ne Menge Bandbreite und Volume, nicht geradeunwichtig bei einem Volumentarif, gespart wird.

    Letztendlich synchronisiere ich keine vertraulichen Daten, die bewege ich weiterhin per Kabelanbindung von Handy zu PC.

    Außerdem sollte man sich überlegen, ob das überhaupt noch eine große Rolle spielt, wo doch immer mehr Android-geräte auf dem Markt sind und dort automatisch ein Google-Account verlangt wird. Zudem sind die Kontakt und Kalenderdaten eh scho nbei Google….Mehr kann man nicht preisgeben…

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