Chrome – verchromte Inkarnation des Bösen?

Nichts hat in dieser (nun fast vergangenen) Woche die Netzgemeinde so elektrisiert, wie die Veröffentlichung der ersten Beta von Googles eigenem Web-Browser Chrome. Während anfangs noch die Begeisterung über die Schnelligkeit und Stabilität der Browsers vorherrschte, kamen schnell Stimmen auf, die berichteten, dass Chrome zu oft und inhaltsreich nach Hause telefonieren würde.

Zum Glück hatte ich nicht die Zeit, die Diskussionen zeitnah verfolgen zu können.

Es scheinen sich zwei Lager gebildet zu haben: Die eine Seite empört sich über Google, während die Anderen meinen, dass das Verhalten von Chrome nicht so ungewöhnlich sei, andere Browser sich ähnlich verhalten würden und Google nicht der Hort des Bösen sei.

Als Beispiele der beiden Standpunkte kann man jeweils den Artikel von Robert Basic auf Basic Thinking Blog und die Entgegnung von Max Winde und Johnny Haeusler auf Spreeblick nennen. Ein TweetWechsel bei Twitter lässt mich vermuten, dass auch in den Podcasst Bits und so #108 und MobileMacs MM012, die ich beide noch nicht anhören konnte, entsprechend unterschiedliche Standpunkte vertreten werden.

So rein vom Bauchgefühl wird einem schon schwummerig, wenn der größte Suchmaschinenanbieter einen eigenen Browser verteilt und man sich vergegenwärtigt, dass Google  mit Allem, was es tut, letztlich Geld verdienen will/muss.

Hier ist dieser Zusammenhang deutlich, aber letztendlich weiß man auch bei anderen Browsern nicht, was im Hintergrund passiert. Die Anmerkung, dass man sich bei Open Source ja den Code und damit die Funktionalität ansehen könne, stimmt, geht jedoch in der Praxis ins Leere. Ich habe weder die Skills noch die Zeit mir die Sourcen anzusehen und auszuwerten. Wenn ich mich auf die Expertise eines Dritten verlasse, muss ich diesem vertrauen. Im letzten Schritt müsste ich mir die Binaries für die verschienenen von mir genutzten Plattformen aus diesem geprüften Code selbst bauen, wobei ich wiederum darauf vertrauen muss, dass die Tool-Chain auch wirklich das macht, was ich glaube, was sie macht. Und bei jedem Update müsste ich diesem Vorgang wiederholen…

Ein anderer Ansatz ist es, den Browser zu belauschen. Das scheint schon einfacher, gibt letztlich keine Sicherheit, weil man nur eine begrenzte Zeit lauschen wird, und sich eine richtig böse Software im Zweifelsfall Zeit nehmen wird, bevor sie ans Werk geht. Oder vielleicht doch erst das überüberüberübernächste Update…

Die Sache mit dem (Be)Lauschen hat uns u.a. Mirko Weiße abgenommen, und seine eher beruhigenderen Beobachtungen auf seinem Blog XSBlog2.0beta gepostet. Aber auch hier heist es vertrauen – wobei ich keinen Grund habe, den Ergebnissen nicht zu trauen – oder selber machen, wenn man denn kann.

Dennoch werde ich mir mal Chrome installieren, um das stabile, schnelle Wunder zu huldigen. Wenn er wirklich so toll sein sollte, hoffe ich – wie auch an anderer, mir augenblicklich nicht mehr erinnerlicher Stelle geschrieben -, dass mich letztlich von Firefox her gewohnte, bei Chrome fehlenden AddOns von der Entscheidung befreien werden, ob ich Chrome regelmäßig nutzen möchte.

Auf jeden Fall hoffe ich, dass der Chrome-Hype nicht die Weiterentwicklung von anderen Alternativen wie Firefox nachhaltig negativ beeinflusst. Nicht dass in einigen Jahren die Wahl nur noch Microsoft oder Google lautet, was sich aus meiner Sicht dann als die sprichwörtlich Wahl zwischen Pest oder Cholera entpuppen könnte.

Nachtrag 14.05.2013

Ich muss gestehen, ich bin zwischenzeitlich auch dem Charme von Chrome erlegen und nutze ihn unter OS X und Linux.

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