Doomsdays – Der rasanteste Bentley-Werbespot aller Zeiten

Im Rahmen der diesjährigen Fantasy Filmfest Nights habe ich mir am gestrigen Samstag Doomsday angesehen. Angesichts der im Programm angekündigten viertelstündigen Splatter-Actionenszenen war ich etwas skeptisch, ob dieser Film etwas für mich ist.

Aber ich muss sagen, er hat richtig Spaß gemacht. 🙂

Na vielleicht vorab noch kurz ein paar Worte zur Story, obwohl die ja nicht wirklich wichtig war: Im Jahr 2008 bricht in Schottland ein tötliches Virus aus. Als die Seuche nicht in den Griff zu bekommen ist, riegelt die Regierung kurzentschlossen Schottland mit einer Mauer ab – die Römer hatten das ja auch schon mal gemacht – und überlässt das Chaos sich selbst. Als Jahrzehnte später der Virus in London ausbricht, schickt man eine kleine Eliteinheit in die Todeszone, um nach einen Antivirus zu suchen.

Der bei der Vorstellung anwesende Regisseur und Drehbuchautor Neil Marshall hat angekündigt, dass sich in dem Film viele Bezüge an die Kultur seiner Jungendzeit in den frühen 1980er finden werden. So ist es auch. Vom Setting her erinnert die Story an Die Klapperschlange. Ziemlich bald fühlt man sich nach Mad Max versetzt, um sich dann in Excalibur wieder zu finden. Einige Szenen erinnern mich auch an Aliens.

Die Heldin wiederum erinnert mich weniger an Snake Plissken – obwohl auch sie in einer Szene eine Augenklappe -hier auf dem rechten – Auge trägt – oder Ellen Ripley (Alien), sondern eher an Alice aus Resident Evil – wohl eine Anleihe aus diesem Jahrtausend. Die Szenen im – vermeindlich – menschenleeren Glasgow erinnern an diverse anderen postapokalyptische Filme – als jüngstes und an anderer Stelle genanntes Beispiel sei I am Legend genannt.

Zu den filmischen Anleihen aus den 1980er kommt dann auch die Musik. Nicht das, was man langläufig als 80er-Mix bezeichnet, sondern richtig passend. Die Fine Young Cannibals dürfte eine wilde Kannibalismusorigie untermalen.

Der absolute Höhepunkt ist für mich die wilde Verfolgungsjagd durch die – in Südafrika abgelichteten – Schottischen Highlands. Die verbliebenen Helden fliehen in einem Bentley (Continental GT [?]) vor einer Horde, die aus Mad Max entsprungen zu sein scheint – und als Soundtrack wummert Two Tribes von Frankie Goes To Hollywood. Eine wahre Freude!

Der Film sicherlich kein cineastischer Höhepunkt, aber er hat mir sehr viel Spaß gemacht. Er hat einige – aus meiner Sicht – splattermäßig grenzwertige Szenen, sodass ich ihn nicht pauschal empfehlen kann (mein Toleranzgrenze ist bei Splatter bekannterweise recht gering, dennoch kenne ich einige Leute, für die der Film definitiv nix ist). Wer Spaß an 80er-Trash hat und splattermäßig nicht zu zart besaitet ist, der sollte sich den Film definitiv ansehen.

Die Fantasy Filmfest Nights enden in Berlin, sodass man wohl auf den für August 2008 geplanten Kinostart warten möchte. Da die gezeigte Fassung der geplanten Verleihfassung entspricht, habe ich Zweifel, dass der Film den Segen der FSK finden wird.

Ach so: Auch wenn das Programmheft der Fantasy Filmfest Nights von dem frechsten Product Placement seit der Erfindung von James Bond spricht, scheint der Film nicht von Bentley – direkt – gesponsert zu sein. Neil Marshall betonte in der Fragerunde nach der Vorstellung, dass man die drei Bentleys für einen Preis von 150.000 Pfund pro Stück habe kaufen müssen (wobei man anderthalb habe günstig zurück geben können…). Bei einem Budget von 30 Millionen Dollar kein wirkliches Problem.

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