Google Earth als Werkzeug des Bösen

Technology Review berichtete am Freitag darüber, dass Google Earth ein Sicherheitsrisiko für die WM in Deutschland sein könnte, weil dieser Dienst sehr genaue Koordinaten der Austragungsorte liefert. So sieht es zumindest Klaus Dieter Matschke, ein frankfurter Sicherheitsveteran, der bereits in den Tagen der Olympiade in München 1972 aktiv war. heise online und Golem.de springen (wie bestimmte viele andere auch) auf den Zug auf und berichten über die Gefahr.

Ich denke da eher wie rikman: Nicht erst Google Earth hat der Menschheit die Möglichkeit gebracht, die Koordinaten eines beliebigen Punktes genau zu bestimmen.

Die Landesvermessungsämter halten genaue Karten in verschiedensten Maßstäben bereit, auf denen man dann -das notwendige Basiswissen vorausgesetzt- die Koordinaten abstechen kann. Für Karten im UTM-Gitter gibt es sogar passende Auflegeschablonen, die das Ermitteln der Koordinate erleichtern.

Für denjenigen, der sich mit Papierkarten nicht beschäftigen möchte, halten die Landesvermessungsämter einen Teil des Kartenmaterials in digitaler Form nebst entsprechender Software (z.B. TOP50) bereit. Hier ist dann auch ein Google Earth-mäßiges Ermitteln der Koordinaten per Point & Click möglich.

Weiterhin gibt es Software, mit der man als digitale Bilder vorliegende Pläne, Luft- oder Satelitenbilder georeferenzieren kann, um anschließend die Koordinaten per Mausklick übernehmen kann.
Ich habe früher gerne mit Fugawi und Bildmaterial der damaligen National Imagery und Mapping Agency (NIMA) gearbeitet. Die Satellitenbilder hatten eine Auflösung von 1m/Pixel und ich habe im Gelände eigentlich immer gefunden, war ich gesucht habe.
Luftbilder sind -zumindest hier in Berlin- auch beim Landesvermessungsamt ausreichender Qualität und Menge käuflich erhältlich.

Weiterhin ist Google Earth nicht der einzige Online-Anbieter von Satellitenbildern. Die im Artikel von Technology Review angeführten Anbieter Mapquest und Maporama, die die Koordinatenangaben auf Bogenminuten beschränken, sind in meinen Augen sowieso untauglich, weil sie Karten und keine Satelliten- oder Luftbilder anbieten. Z.B. zeigt terraserver.com die Position unter dem Mauscursor im Dezimalformat mit acht Nachkommastellen an. Das sollte reichen.

Im Artikel von Technology Review findet sich eine Passage, die mir sagt, dass der Autor Niels Boeing etwas besser hätte recherchieren sollen:

Auch in öffentlich zugänglichen Registern liegen derart detaillierte Ortskoordinaten nicht vor. „Beim Bundesamt für Kartographie und Geodäsie kann man die Angaben für Stadtmittelpunkte bekommen, aber nicht für einzelne Gebäude“, sagt Reinhard Zölitz-Möller, Professor für Geographie an der Universität Greifswald.

Die Herren Boeing und Zölitz-Möller sollten mal der Wikipedia einen Besuch abstatten: Dort finden sich bereits zu vielen Artikeln (z.B. Berliner Olympiastadion und Münchner Allianz Arena) die Koordinaten auf die Bogensekunde genau.

Wer sich eine Kurzstreckerakete beschaffen, bedienen und bis auf Abschussreichweite an die Austragungsorte heranbringen kann, der braucht kein Google Earth, um die Koordinaten zu ermitteln. Daher ist Google Earth für mich keine Grund zur Beunruhigung.

Beunruhigender würde ich es finden, wenn Google -vielleicht noch rechtzeitig zur WM- einen neuen Dienst Google Blast beta einführen würde, mit dem man aus Google Earth, Google Maps oder Google Local heraus Raketen abschießen könnte. 😉

Was mich auch etwas beunruhigt ist, dass Technology Review zum Verlag Heinz Heise (heise online, c’t, iX etc.) gehört, den ich bisher für seine Seriösität sehr geschätzt habe.

2 thoughts on “Google Earth als Werkzeug des Bösen

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